GEDANKEN ZUM EIGENEM ENDE AUF DIESER WELT
Wie möchte ich von dieser Welt abtreten?
Hat sich schon einmal jemand bewusst Gedanken darüber gemacht, wie das eigene Ende aussehen sollte? Ich schon.
Ein Krankenhauszimmer, Monitore, Schläuche – bewegungsunfähig im Bett gefesselt. Diese Vorstellung erfüllt mich mit Unbehagen. Dahinsiechen, warten, bis mein Körper irgendwann selbst aufgibt? Nein, das ist nicht meine Art. Ich war immer eine selbstbestimmte Frau, und genau so möchte ich auch gehen. Hoch erhobenen Hauptes, in dem Wissen, dass ich mein Leben nach meinen eigenen Regeln gelebt habe. Nicht jeder muss das verstehen – es reicht, wenn ich es verstehe.
Autos waren immer meine Leidenschaft. Ein Leben lang habe ich Motoren geliebt, die Kraft, die Geschwindigkeit. Ich war eine der ersten Frauen, die mit einem dicken Ami-Pickup unterwegs waren – eine Exotin, bestaunt und bewundert, sowohl von Männern als auch von Frauen. Leider war es mir nie vergönnt, meinen absoluten Traumwagen zu besitzen, aber die Liebe zur Straße ist geblieben.
Diese Verbindung zu Autos spielte auch eine Rolle in einem der dunkelsten Momente meines Lebens. Eine Ehe, die geprägt war von Gewalt, Alkohol, Geldnot – keine Mittel für Windeln, aber genug für andere Dinge, die mich verletzt haben. Ich habe immer gearbeitet, habe mir mein Auto selbst gekauft. Doch es gab Tage, an denen ich nicht mehr konnte.
Eines Wochenendes setzte ich mich ins Auto, meine Tochter dabei. Ich fuhr auf die Avus in Berlin – Vollgas. In meiner Verzweiflung hatte ich beschlossen, nicht nur mich, sondern auch sie aus dem Leben zu reißen. Ich wollte das Lenkrad loslassen, mein Leben der Geschwindigkeit übergeben.
Doch genau in diesem Moment begann meine kleine Tochter auf der Rückbank zu schreien. Warum? Ich weiß es nicht. Aber sie hat mich aus dem dunklen Tunnel geholt, zurück ins Leben. An der nächsten Ausfahrt bin ich herausgefahren – und weitergemacht. Bis heute kennt sie diese Geschichte nicht. Doch ohne es zu wissen, hat sie mich gerettet.
Aber darüber kann ich nicht sprechen. Nicht mit meinem Lebenspartner, der mit seiner völlig anderen Weltanschauung ohnehin nur die Hälfte versteht. Nicht mit meinen Kindern, die mich lieben, aber mich in ihrer Sorge davon abhalten würden – notfalls sogar mit allen Mitteln. Nein, das ist eine einsame Entscheidung, die ich mit niemandem teilen kann.
Wenn ich darüber nachdenke, wie ich eines Tages gehen möchte, dann sehe ich mich nicht an Maschinen hängend. Ich sehe mich frei, selbstbestimmt. Kein anderer soll diese Entscheidung für mich treffen. Und wenn es eines Tages so weit ist, werde ich mich ins Auto setzen, sicherstellen, dass niemand unbeteiligtes darunter leidet. Niemand soll mit hineingezogen werden, und niemand soll gezwungen sein, meine Entscheidung zu verstehen.
Dann dürfen sie mich verbrennen und meine restlichen Überreste in der Ostsee versenken. Lieber wäre mir eigentlich das Mittelmeer, aber das ist alles etwas schwierig dies in Deutschland zu organisieren.
Eine Seebestattung ist eine würdevolle Möglichkeit, die letzte Ruhe im Meer zu finden. In Deutschland ist die Ostsee eine gängige Option, da es hier spezielle Bestattungsgebiete gibt, in denen die Asche in einer wasserlöslichen Urne dem Meer übergeben wird.
Ja, das ist tatsächlich möglich! In der Schweiz ist es erlaubt, die Urne eines Verstorbenen nach Hause zu nehmen, da dort kein Friedhofszwang für Totenasche besteht. Das bedeutet, dass Angehörige die Asche frei verwahren oder an einem Ort ihrer Wahl beisetzen können.
Einige Bestattungsunternehmen in der Schweiz bieten sogar die Möglichkeit, Urnen aus dem Ausland anzufordern und an die Hinterbliebenen zu übergeben. Dadurch könnte man die Urne mit in den Urlaub nehmen und sie dort dem Meer übergeben, wo es einem am liebsten wäre.
Fortsetzung folgt